· 

Fotografische Vorsätze 2021

Mehr ausprobieren: Was soll dieser Vorsatz eigentlich?

Ich gebe es zu: Bei vielen Bildern, die mir in den sozialen Netzwerken im vergangenen Jahr begegnet sind, hielt sich meine Begeisterung in Grenzen. Zu oft habe ich ähnliche oder gleiche Motive gesehen, zu sehr ähnelten sich die Bilder, zu oft waren die Bildbeschreibungen einfallslos. So kam es jedenfalls bei mir an. Um es aber klar zu sagen: Vielleicht lag das Problem ja nur auf meiner Seite, denn letztlich wird mir oft nur angezeigt, was ich an anderer Stelle schon einmal gut fand. "Intelligente" digitale Welt.

Wie auch immer. Als ich dann mal meine Bilder kritisch betrachtet habe, blieb festzustellen, dass ich fotografisch auch nur das umgesetzt habe, worin ich mich sicher fühlte. Natürlich haben die Ergebnisse mich oft auch zufrieden gestellt, aber wirklich fotografisch etwas riskiert habe ich nicht. Mal gegen fotografische Regeln verstoßen? Selten. Mit Farben und Perspektiven experimentiert? Kaum. Waren meine Bilder letztlich auch nur Teil des ganz großen Einheitsbreis, der sich durch Instagram und Co. ergießt?

Auch in verschiedenen Podcast-Folgen von "Draußenfotograf" hatte ich bereits erwähnt, dass sich bei mir eine gewisse Insta-Müdigkeit eingestellt hatte. Die Rückmeldungen, die ich darauf erhalten hatte, konnten das bestätigen, von daher war das schon ein interessantes Phänomen.

Was also tun?

Je mehr ich über die Machart meiner Bilder nachdachte, desto klarer wurde mir auch, dass ich mich fotografisch "breiter aufstellen" möchte, wie es so schön heißt. Gerade in den sozialen Netzwerken zeigt man doch das, was auch anderen Menschen gefallen müsste, oder? Und genau an dieser Stelle möchte ich im neuen Jahr ansetzen: Fotografisch mal etwas ausprobieren, vielleicht sogar riskieren, was nicht den breiten Geschmack trifft. Aber mich selbst vielleicht zufriedenstellt, weil es nicht dem "Einheitsbrei" entspricht.

Los geht's: Der Blick aus dem Schnee

Die Idee für dieses Bild hatte ich schon länger, und die Machart ist gar nicht so unbekannt. Der Blick von ganz tief unten ist hin und wieder eine beliebte Perspektive, wobei ich an dieser Stelle etwas getrickst habe. Das Schneeloch, aus dem das Bild entstanden ist, ist gar keine Vertiefung im Boden. Den Schneerand habe mich mit einer Styroporplatte simuliert, in die ich ein Loch geschnitten hatte. 

Die Nachbearbeitung

Diese Idee mit der Styroporplatte stammt nicht von mir. Wenn man sich bei Google oder Youtube ein wenig umschaut, findet man haufenweise dieser Anregungen.

Was die weitere Bearbeitung anbetrifft: Aufgenommen habe ich das Bild im RAW-Format (was ich bei Kamera-Aufnahmen immer mache), anschließend habe ich in Lightroom die Farben etwas ins Kühle verschoben (also blau verstärkt). Außerdem wollte ich einige Schneeflocken simulieren. Dazu habe ich Photoshop genutzt: Ich hatte vor einigen Jahren bereits verschiedene Composing-Elemente gekauft, die viel zu selten im Einsatz waren. In diesem Fall habe ich nur wenige Schnellflocken vor schwarzem Hintergrund auf eine neue Ebene in Photoshop gelegt und den Modus auf "Negativ multiplizieren" gesetzt. Damit wird der schwarze Hintergrund ausgeblendet, während die Schneeflocken weiterhin zu sehen sind. Da eventuelle Schneeflocken an den Rändern mit dem Styropor nicht zu sehen sein sollten, habe ich diese Ebene mit einer schwarzen Maske versehen und die Schneeflocken mit einem weißen Pinsel nur in der Mitte des Bildes sichtbar gemacht. Da die Ränder des Styropors recht deutlich sind, konnte ich für den Pinsel eine harte Kante verwenden.

Warum beschreibe ich die Vorgehensweise an dieser Stelle: Letztlich, weil ich im vergangenen Jahr recht oft gefragt wurde, wie genau dieses oder jenes Bild entstanden ist. Dazu habe ich in den Posts selbst eher weniger etwas erklärt, daher an dieser Stelle eine kurze Erläuterung. 

Vielleicht auch so etwas wie ein Vorsatz.

Wer's genauer wissen möchte, darf sich natürlich gern bei mir melden. Viel Spaß beim eigenen Experimentieren und bis bald!

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Susanne Lücker (Sonntag, 03 Januar 2021 06:51)

    Hallo Thomas,
    vielen Dank für die detaillierte Beschreibung. Ein cooles Bild mit spannender Perspektive. Die Idee mit der Styropor -Platte ist genial. Ich finde es immer sehr interessant und lehrreich etwas über die Entstehung und Bearbeitung von Bildern zu lesen und freue mich auf Deine nächsten Aufnahmen. Viele Grüße Susanne

  • #2

    Thomas (Sonntag, 03 Januar 2021 19:08)

    @Susanne
    Danke für die Rückmeldung! Freut mich, dass dich die Idee direkt angesprochen hat! Ja, es geht mir auch so: Es ist total spannend, wenn man die Entstehung so nachverfolgen kann.
    Viele Grüße