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Weite


Ich bin wieder da.

Wie selbstverständlich tippe ich diese Worte in meinen Laptop, doch schon beim Schreiben beschleicht mich das Gefühl, diese Formulierung schon öfter gebraucht zu haben. Ein kurzer Blick auf vergangene Beiträge bestätigt meinen Gedanken. Ja. „Ich bin wieder da“, habe ich schon mehrfach genutzt. Immer dann, wenn ich in diesem ganzen medialen Trubel vom Posten, Liken und Kommentieren eine Pause brauchte und mich dann irgendwann zurückgemeldet habe.

Jetzt gibt es aber Phasen im Leben, da geht es um mehr, als nur eine kurze Auszeit zu nehmen. Da gibt es Ereignisse im eigenen Umfeld, die einfach Priorität haben und gar keinen anderen Gedanken zulassen. In einem solchen Abschnitt steckte ich in den letzten Wochen. Und mit diesen Zeilen geht mein Blog in eine etwas andere, privatere Richtung, als bisher. 



2019 war für mich bislang ein Jahr, in dem es mir gelungen ist, meine Fotografie (und alles, was durch Youtube, Facebook oder Instagram damit verbunden ist) auf ein für mich neues Level zu heben. Ein Jahr, in dem ich fotografisch meinen Weg fortgesetzt habe, den ich vor einigen Monaten eingeschlagen habe. Das habe ich im letzten Beitrag beschrieben. So weit, so gut.

Jetzt gebe ich aber noch einen sehr persönlichen Einblick: 2019 war auch das Jahr, in dem ich meine Eltern verloren habe. Das ist ein Ereignis im Leben eines Menschen, vor dem du nicht weglaufen kannst. Ein Ereignis, das vielleicht abzusehen ist, vielleicht aber auch überraschend kommt. Beides traf bei mir zu. Wie auch immer: Du kannst dich nicht wirklich darauf vorbereiten.


Das Fotografieren war wieder einmal ein Ausgleich für mich. Ich habe dabei gemerkt, dass ich mich nach Weite sehne. Nach Ausblicken, mit denen ich weite Landschaften erfassen und festhalten kann. Ursprünglich waren diese Bilder tatsächlich nur für mich allein gedacht. Beim Betrachten allerdings habe ich festgestellt, dass sich dieses Thema „Weite“ in allen Bildern wiederfindet und in mir wieder das Gefühl aufkam, dich bzw. euch an diesen Bildern teilhaben zu lassen.
Einige Bilder dieser Serie sind in meinem Heimatdorf Hösseringen entstanden, andere Fotos stammen von verschiedenen Orten innerhalb der Heidelandschaft zwischen Uelzen und Celle. Der Zeitpunkt für die Heideblüte war noch nicht erreicht, aber dennoch strahlen diese Motive für eine unglaubliche Ruhe aus. Ich erinnere mich besonders gern an eine Begegnung mit einem Schäfer, der seine Heidschnucken nach Hause zum Stall getrieben hat. Nach einer mehrstündigen Wanderung bin ich auf ihn gestoßen. Er war sehr überrascht, dass ich ihn um Erlaubnis gefragt habe, ihn bzw. seine Tiere fotografieren zu dürfen. Die meisten Menschen würden nicht fragen und sich auch keine Zeit nehmen.
Ich durfte ihn anschließend während der letzten zwei, drei Kilometer begleiten, und wir haben uns über das Wetter, die Heide und das Leben der Menschen in der heutigen, schnelllebigen Zeit unterhalten. Eine für mich sehr bereichernde Begegnung. Ihr werdet diese Bilder in den kommenden Wochen auf Instagram und Facebook, aber auch hier auf meiner Homepage finden. Und eines habe ich wieder einmal gemerkt: Der Harz ist inzwischen meine Heimat, aber in der Heide habe ich meine Wurzeln. So findet ihr bei mir auch in Zukunft Fotos aus dem Harz und der Heide.


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Kommentare: 4
  • #1

    w.a.l.d.f.e.e (Sonntag, 21 Juli 2019 23:45)

    Hallo Thomas, ich möchte dir mein aufrichtiges Beileid aussprechen. Auch wenn solche Ereignisse früher oder später absehbar sind, so sind sie immer schwer und mit unendlich vielen Emotionen und Einschnitten verbunden. Es gibt dafür auch niemals genügend oder die richtigen Worte. Ich wünsche dir Kraft und Zuversicht. Viele Grüße ..

  • #2

    Markus und Anja (Montag, 22 Juli 2019 08:27)

    Lieber Thomas, auch wir möchten unser herzliches Beileid aussprechen. Sowas ist ein harter Schlag...bewundernswert wie Du damit umgehst.
    Viel Kraft wünschen wir Dir!
    Du weißt ja wo Du uns findest...
    Viele Grüße

  • #3

    Henrike (Freitag, 18 Oktober 2019 16:30)

    Bei dem Thema "Weite" bin ich ganz bei Dir.
    Auch mich treibt dies an, wenn ich mit meiner Kamera on tour bin. Die "Weite" im Blick, die "Weite" im Blickwinkel und auch die "Weite" im Herzen.
    Den Verlust, den Du dieses Jahr erlebt hast, ist für mich unvorstellbar. Bei dem Gedanken gruselt es mir ....
    Ich wünsche Dir weiterhin Kraft, für all die vielen kleinen Momente, in denen Erinnerungen deine Kraft erfordern.
    Liebe Grüße aus dem Markgräflerland

  • #4

    Thomas Schwerdt (Samstag, 19 Oktober 2019 21:30)

    @Henrike: Liebe Heike, vielen Dank für deine Rückmeldung und deine Anteilnahme! Schön, dass du meine Gedanken zum Thema "Weite" nachvollziehen konntest. Die Verknüpfung mit der "Weite im Herzen" ist ein schöner Gedanke.