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Fotowalk am Wurmberg

Schon wieder. Vielleicht bin ich in diesem Punkt aber auch nur besonders empfindlich, aber ich habe in den letzten Tagen viel Gejammer wegen des Wetters gehört und insbesondere auf Instagram gelesen. Okay, wenn es mehrere Tage hintereinander Dauerregen gibt, kann man sich was Besseres vorstellen. Aber Fotos können bei diesem Wetter das "gewisse Etwas" erhalten. Tatsächlich war das Fotografieren heute für mich nicht das eigentliche Ziel, eher eine Wanderung mit den Hunden. Aber wenn man schon die Kamera dabei hat...
Begleitet mich auf einen kurzen Fotowalk am Rande des Wurmbergs in Braunlage.


Wolken und Fichtenwald

Meine Wanderung beginnt in der Nähe der Brockenwegschancen. Parallel zu den Schanzen kann man einen schmalen Pfad emporsteigen, der auf einen Forstweg und die daneben verlaufende Rodelbahn trifft. Ein Beginn, bei dem mir direkt warm wird, denn die Steigung auf diesem kurzen Stück beträgt knapp 25%. Die Wege bis zu dieser Höhe hier sind zur Zeit schneefrei. Immer wieder bietet sich ein Blick auf die umgebende Landschaft. Ich staune wieder einmal, wie schnell der Wind Wolken und Nebel durch die Fichten bewegt. Gerade ist es trocken, doch von Ferne verdunkelt sich der Himmel bereits wieder.


Steinbruch und Gespensterwald

In Höhe der Mittelstation der Wurmbergseilbahn gehe ich nordwestlich, denn heute will ich gar nicht auf den Gipfel. Der Weg führt an einem ehemaligen Steinbruch vorbei, dessen obere Kante wiederum einen wunderbaren Ausblick bietet. Direkt an die Abbruchkante gelangt man natürlich nicht, denn ein Zaun verhindert zu waghalsige und gefährliche Manöver. Und hier bemerke ich dann auch deutlich, welche Wolken da im Anmarsch sind. Ich merke, wie die Temperatur sinkt. Meine Vorfreude steigt...

Denn in Kürze werden die Wolken meine Stelle erreicht haben. Zuerst bemerke ich es gar nicht richtig, aber der Blick auf die andere Seite des Weges zeigt mir, wie sehr der Wald sich verändert: Ab halber Höhe sind die Fichten in Nebel getaucht; er zieht schnell durch die Stämme. Das wird das mystische Foto, das ich mir von dem heutigen Tage erhofft habe. Die jungen Buchen ergänzen das Bild. Warum stehen sie da? Sie wurden gepflanzt, damit sie in Zukunft, wenn eines Tages die Fichten als führender Waldbestand nicht mehr dort sein sollten, die zukünftigen Samenbäume für einen Buchenwald (wie er früher von Natur aus bis in diese Höhe vorkam) bilden können.


Wetterumschwung

Die Wolken bringen nicht nur Nebel mit. Wenige Sekunden später beginnt der Regen und ich sehe zu, dass ich das Objektiv von den Tropfen befreie. Beim Weitergehen zeigen sich immer mehr Schneereste auf dem Weg. Erst schlägt mir ein kalter Wind ins Gesicht, dann mischt sich Schnee unter den Regen. Meine Fotoausrüstung ist im Rucksack verstaut.

Für mich ist es immer wieder ein gutes Gefühl, bereits ein paar Bilder im Kasten zu haben, während sich die Ausrüstung bei immer schlechter werdendem Wetter sicher im Rucksack befindet. Kurze Zeit später muss ich sie aber nochmal auspacken.Ein fast völlig mit Moos bewachsener Bergahorn sticht unter den Fichten hervor. Graupelschauer lassen mich immer wieder die Tropfen von der Linse wischen.

Einen Bergahorn findet man nicht oft in dieser Höhe, aber durch die auffällig große, grüne Knospe ist er leicht zu identifizieren. Manche Menschen verwechselt Berg- und Spitzahorn miteinander, dabei sind sie sehr leicht auseinander zu halten. Bergahorn: grüne Knospe; Spitzahorn: rote Knospe. Als Student musste ich den folgenden Merksatz lernen:
Grüner Berg mit roter Spitze. Hier also der "grüne Berg" mit weißen Graupelwischern.


Entdeckung am Wegesrand

Kurz bevor ich die Bärenbrücke erreiche, gehe ich Richtung Süden und treffe wieder auf die asphaltierte Straße, die mich zu den Sprungschanzen führen wird. Links des Weges fällt irgendwann ein Lost-Place ins Auge. Nein, ich meine nicht die Buche mit den Baumpilzen, sondern die Mauern im Hintergrund. Irgendeine Ahnung, was das gewesen sein soll?

Ich bin nicht gleich darauf gekommen, und habe erstmal meine Wander-App befragt: Es sind die Reste der ehemaligen Steinbruch-Verladestation. Der Damm, auf dem früher die Loren entlang liefen, ist noch gut erkennbar. Der alte Steinbruch, von dem ich die Aussicht fotografiert habe, befindet sich jetzt in nordöstlicher Richtung von mir.

Das obige Foto (und ein paar weitere Bilder) habe ich eigentlich nur gemacht, damit ich die örtlichen Gegebenheiten später noch gut vor Augen habe. An diesem Ort habe ich direkt ein neues "Zielfoto" vor Augen, das ich in Zukunft mal anfertigen möchte. Ihr werdet es irgendwann sehen können.


Frühlingssonne

Inzwischen bin ich keine 700 Meter mehr hoch, da lässt sich plötzlich die Sonne blicken. Wenn sie durch die Wolken bricht, merkt man bereits deutlich ihre wärmenden Strahlen. So wird mein kurzer Fotowalk an einem verregneten Wochenende tatsächlich noch eine Wanderung durch Winter und Frühling. 
Bevor ich mein Auto erreiche, kann ich aber nicht einfach an der "Warmen Bode", die gerade wie alle Gewässer im Harz sehr viel Wasser führt, vorbeigehen. Ja, heute muss noch eine Langzeitbelichtung her. Ein würdiger Abschluss.

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