· 

Fotowalk in der Südheide

Ein Besuch in meiner alten Heimat, der Südheide zwischen Celle und Uelzen, hat mich auf einen Fotostreifzug geführt. Wind, Nieselregen und kalte Temperaturen sollten einen nicht abschrecken, wenn man besondere Bilder haben will - denn Schönwetter-Bilder kann (fast) jeder, darauf bin ich in einem früheren Blog-Beitrag schon einmal eingegangen. Nun gibt die "Heide" - als Kurzform für die Lüneburger Heide - landschaftlich viel mehr her, als "nur" Heidekraut. Das ist gar nicht abwertend gemeint, denn ich mag Fotos mit blühendem, violetten Heidekraut sehr gern. Im Moment ist aber nun einmal nicht die Jahreszeit dafür - also wollte ich doch einmal schauen, welche Motive sich anbieten.

Dabei ging's mir um ganz alltägliche Motive, die sich am Wegesrand, während eines Fotowalks, ergeben. Los geht's...


Der Birkenwald

Das Foto wirkt jedenfalls wie ein Birkenwald, aber tatsächlich war es ein Birkenstreifen am Rande eines Weges zum angrenzenden Kiefernbestand. Was mir spontan aufgefallen ist, dass bei der Gestaltung dieses Waldinnenrandes mit viel Feingefühl vorgegangen wurde. Kiefern gibt es in dieser Region wirklich ohne Ende, daher gilt es, Laubhölzer entsprechend zu fördern, und das wurde hier gemacht. Zumeist wurden die Nadelbäume in diesem Birkenstreifen entnommen, einzelne, kräftigere Kiefern aber auch belassen, so dass sich waldbaulich ein sehr harmonisches Bild ergibt. Das Laub der Birken sorgt für eine verbesserte Bodenstreu, die sonst nur in der Oberstreu aus Kiefernnadeln besteht.

Für das Foto wollte ich nur Birken abbilden, und diese auch nur als Ausschnitt. Ich mag die schwarz-weiß-grünliche Färbung der Rinde sehr gern. Um diesen Bildausschnitt zu bekräftigen und den Blick auf die Rinde zu lenken, habe ich das Querformat gewählt (mache ich sowieso meistens - ist irgendwie eine Vorliebe von mir). Außerdem wollte ich in Richtung High-Key-Aufnahme gehen, deshalb ist das Bild leicht überbelichtet. Dieser Effekt bestärkt nach meinem Empfinden außerdem das leicht diesige Wetter. Die Birke mit dem Baumpilz ist mir allerdings erst beim Blick durch den Sucher aufgefallen. Trotz der generellen Überbelichtung erscheint mir gerade dieser Baum etwas dunkler im Bild und lenkt damit zusätzlich den Blick auf sich. 


Die Quelle

Hier entspringt er, ein Heidebach namens "Hardau". Früher gab es in diesem Bereich Fischteiche, die mit dem Wasser der Hardau gespeist wurden. Das ist lange her, denn kaum etwas deutet in der Landschaft noch auf deren Vergangenheit hin. Was man aber heute noch findet, ist der Quellbereich, wobei ich beim Aufnahmen dieses Bildes nicht klar ausmachen konnte, woher das Wasser genau kommt. Deutlich wird nur, dass sich das Wasser aus diesem Quellbereich sammelt und dann inmitten einer angrenzenden Wiese abfließt.

Zu diesem Bild: Die Spiegelung der Erlen ist mir sofort ins Auge gesprungen. Obwohl das diesige Wetter immer noch andauerte (wie man vielleicht im Hintergrund erahnen kann), spiegelten sich die Bäume relativ klar. Moose, Gräser und Binsen umgrenzen den Wasserbereich. Dieser sumpfige Bereich unterstreicht den Charakter des Waldes - ein Erlenbruchwald. Werden und Vergehen finden sich hier. Da ich die Spiegelung hervorheben wollte, bin ich von der Drittelregelung abgewichen.



Der Pfad

Nein, eigentlich ist es kein Pfad, sondern nur der freie Bereich zwischen zwei Pflanzreihen von Roteichen. Die Roteiche wurde in einigen Bereichen der Heide angepflanzt, um neben der Erhöhung des Laubholzanteils später das hochwertigere Holz ernten zu können. Ich persönlich kann diesen Reihenpflanzungen nichts abgewinnen, da sie mich zu sehr an eine Plantage erinnern, allerdings ist es aus waldbaulicher Sicht wegen späterer Pflege- und Ernteeingriffe natürlich trotzdem sinnvoll.

Bei diesem Motiv mochte ich den Eindruck eines Pfades; das Moos an den Stämmen und der leichte Nebel im Hintergrund verleihen dem Bild einen etwas unheimlichen Charakter.


Das Polter

"Polter" werden die Holzstapel genannt, die sich am Wegrand befinden und eigentlich durch den Holzkäufer abgeholt werden. Bei diesem Polter kann man wohl noch lange warten - es wird niemand mehr kommen. Das ist auch gut so, denn wirtschaftlich sind diese Stämme nicht mehr zu verwerten. Die beste Aufgabe, die sie noch erfüllen können, tun sie gerade: Durch ihre Zersetzung liefern sie neue Nährstoffe für den Waldboden, in den sie langsam, aber sicher, übergehen.
Links unten in der Bildecke erkennt man, dass die Natur sich langsam wiederholt, was ihr genommen wurde. Dieses Bild habe ich extrem weitwinklig fotografiert, weil ich nicht nur das Polter, sondern auch den angrenzenden Weg ablichten wollte.


Der Vorteil

Wenige hundert Meter nach dem letzten Polter habe ich wieder alte, abgelegte Baumstämme gefunden. Ebenfalls wie bei den letzten Stämmen, haben die Kiefernsamen, die irgendwann vom Wind an diese Stelle getragen wurden, auf dem zerrottenden Holz gekeimt. Dadurch haben sie einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil: Durch ihre höhere Lage sind sie zunächst mal vor Wildverbiss geschützt (was bei Kiefern oder Fichten aber nicht so relevant ist, da sind Laubgehölze viel gefährdeter). Viel bedeutsamer ist jedoch der Vorteil gegenüber der umgebenden Pflanzenvegetation. Große Teile des Waldbodens sind immer wieder von Pfeifengras besiedelt, das durch seine Wuchshöhe tatsächlich eine ganze Menge Licht schlucken kann. Durch den höheren Standort, haben diese Kiefern keine direkte Konkurrenz um den Faktor "Licht". Wie es mit dem Wasser aussehen wird, wird sich zeigen.
Zu diesem Bild: Das Augenmerk liegt bei diesem Bild natürlich auf der kleinen Kiefer. Ich habe mich bei dem trüben Wetter für eine Festbrennweite mit einer recht hohen Offenblende entschieden. Dadurch erhalte ich eine geringe Schärfentiefe, und der kleine Baum rückt automatisch in den Mittelpunkt.


Das war er, ein kurzer Fotowalk in der Südheide mit seinen typischen Motiven. Lass dich an regnerischen Tagen nicht vom Fotografieren abhalten. Du musst vielleicht mehr auf deine Ausrüstung achten, damit du keine Regentropfen auf dem Objektiv hast. Besondere Vorsicht ist auch beim Wechseln von Objektiven geboten. Trotzdem lohnt es sich oft wegen der speziellen Lichtbedingungen und die damit verbundene Wirkung. Probier es aus - bis nächste Woche!

Kommentar schreiben

Kommentare: 0