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Überlegungen zu "guten" Bildern (Teil 1 von 2)

Ich habe überhaupt keine Ahnung, wie viele Menschen sich schon zu diesem Thema Gedanken gemacht haben. Jeder, der fotografiert, wird sich sowieso damit beschäftigen. Jeder Mensch, der nicht fotografiert, wird auch seine Meinung dazu haben, schließlich spielt es sich im Kopf ja oft in Sekunden ab, was man von einem Foto hält.
Aber was macht ein gutes Bild aus? Gibt es tatsächlich so etwas wie ein "Rezept" dafür?

Ja, wahrscheinlich bis zu einem bestimmten Punkt, denke ich, denn man kann Bilder ja planen. Im Internet findet man etliche Seiten, die sich mit dem Thema "Bildkomposition" beschäftigen, manchmal auch sehr theoretisch. Man muss dabei auch immer berücksichtigen, um welche Art der Fotografie es sich handelt. Ich möchte mich  mit dem heutigen Blogeintrag auf das Thema "Landschaftsfotografie" beschränken. Die ist nicht nur faszinierend, man kann sie meiner Meinung nach auch gut analysieren. Außerdem ist sie ein Schwerpunkt von mir, von Studioaufnahmen habe ich z.B. keine Ahnung. 

Das Motiv

Wie gehst du fotografieren? Bist du spontan und nimmst dir die Zeit, wenn dir ein Motiv - in unserem Fall also eine Landschaft - ins Auge springt? Vielleicht planst du deine Fotos ja auch ganz akribisch. Du hast das Motiv schon im Kopf und überlegst dir dann, wie und wann du es am besten "ins Bild setzt". 

Ich gehe beide Wege: Manchmal habe ich einen Plan, an anderen Tagen bringt der Zufall viel mit sich. Wie im richtigen Leben. Setzen wir für diesen Blogbeitrag einmal voraus, ich habe mich bereits für ein Motiv entschieden. Bei der Umsetzung, also beim Anfertigen des Fotos, habe ich dann verschiedene Gedanken im Hinterkopf, die ich dir nachfolgend beschreiben will. 


Emotionen transportieren

Eine meiner Hauptregeln klingt so simpel, ist aber manchmal recht schwierig: Ich möchte Emotionen transportieren. Ich nähere mich bei Landschaftsfotos generell meist aus einer ganz einfachen Richtung:

Wenn ich mir Fotos - eigene oder fremde - anschaue, dann beurteile ich selbst ein Bild erst einmal nach seiner Emotionalität (wenn man das so sagen kann). Wenn das Bild mir das Gefühl gibt, dass ich selbst gern an diesem Ort oder in der entsprechenden Situation wäre, dann hat das Foto bei mir schon eine ganze Menge ausgelöst - in positiver Hinsicht natürlich. Ich nehme an, das geht vielen Menschen so, denn die Reaktionen auf mein Bild von mir und den Hunden vor einer Berglandschaft im Nebel (also dem Hintergrundbild dieser Seite) waren außerordentlich positiv. Ich habe Nachrichten erhalten mit: "Das muss toll gewesen sein!" oder "Ich muss dringend wieder mal in den Harz!" oder auch "Total ruhige Stimmung, schön."

Das hat mich sehr gefreut und auch in meiner Herangehensweise bestätigt. Ich habe mich beim Fotografieren im Laufe der letzten Monate immer mehr in diese Richtung bewegt. Um Gefühle zu transportieren, kann man verschiedene Elemente im Bild nutzen. 

Zwei Schwerpunkte möchte ich dir dabei näher erläutern: Licht und Story. 

 


Der Einfluss des Lichtes

Es dreht sich beim Fotografieren nun einmal alles ums Licht. Das Licht hat einen großen Anteil daran, ob ich Emotionen recht einfach transportieren kann. Ein Beispiel: Winter im Harz, es liegt Schnee, die Sonne scheint: Zack, Motive an jeder Ecke! Stell dir jetzt noch einen Winterwald vor, durch den die Brockenbahn fährt: Dunkler Qualm wird ausgestoßen, der sich im Gegenlicht mit dem blauen Himmel mischt. Ich habe also den strahlend weißen Schnee, manchmal das dunkle Grün der Fichten (ja, im Harz sind es Fichten, keine Tannen) und die verschiedenen Farben am Himmel: Das sind Fotos, die zumeist gut ankommen, wenn man die sozialen Netzwerke in der Hinsicht mal verfolgt.

Es ist auch kein Geheimnis, dass das Licht morgens und abends anders, oft "weicher" ist, dass ich bei praller Mittagssonne harte Schatten habe usw.. Mit jedem Licht kann man arbeiten und natürlich fotografieren. Sich mit diesem Thema näher zu beschäftigen, lohnt sich sehr (insbesondere, wenn ihr mit dem Fotografieren anfangt). Soll ich dazu mal einen eigenen Blog-Beitrag verfassen? Dann schreib mir!  

Interessanterweise liest oder hört man immer mal wieder den Satz: "Heute war echt kein Wetter zum Fotografieren!" Okay, wenn es wegen Sturms zu gefährlich oder wegen Starkregens als Gefahr für die Ausrüstung nicht möglich ist rauszugehen, sehe ich das ein. Ansonsten bieten auch wechselhafte oder gar regnerische Tage oft faszinierende Bedingungen zum Fotografieren. Allein die Wolken im Auge zu behalten, lohnt sich. Beispiel gefällig?

Sonne und Regen haben sich bei diesem Bild abgewechselt. Wind und Wolken haben für die Stimmung gesorgt. Für mich persönlich immer noch eines meiner Lieblingsbilder. Aber auch, wenn es trüb draußen ist und eigentlich den ganzen Tag lang nicht richtig hell werden will, ist es für Fotos sehr reizvoll. Auch, wenn mir noch kein Motiv vorschwebt - ich weiß zumindest, dass ich wegen der Lichtverhältnisse ein Stativ mitnehmen sollte.

Mir hat am Anfang oft geholfen, einen bestimmten Ort in der Nähe zu unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten zu besuchen und dabei bewusst auf das Licht zu achten. Folgendes kannst du ja mal ausprobieren: Suche dir irgendeinen Ort aus, den du von deinem Zuhause schnell erreichen kannst. Komm oft her und schreib dir ruhig mal auf, wie das Licht auf dich wirkt, wenn die Sonne an einem bestimmten Punkt steht. Notiere dir auch das Wetter. Mach Probeaufnahmen, um sie später am PC mit der Wahrnehmung in deiner Erinnerung zu vergleichen. Mit der Zeit wirst du ein Gefühl für das Licht entwickeln. 


Noch ein Tipp an dieser Stelle zum Thema "Licht": Es gibt Apps, mit denen du dir die Zeiten für Sonnenauf- und -untergang für jeden Punkt anzeigen lassen kannst, den du besuchen möchtest. Neben der Zeit wird dir auf einer Karte auch die Richtung angezeigt - damit kann man bestens Bilder planen. Bei dem folgenden Bild wusste ich vorher genau, wann ich vor Ort sein musste und in welcher Richtung die Sonne erscheinen wird - sehr praktisch! Wieder der Hinweis: Schreib mir bitte, wenn du mehr dazu wissen möchtest. 


Storytelling

Tatsächlich muss ich mich beim Sichten und Bearbeiten der Bilder oft hinterfragen: Kommt da wirklich eine Emotion bei rüber? Empfinde ich das vielleicht nur so, weil die Wanderung, während der das Bild entstanden ist, so toll war? Kann jemand anderes es nachempfinden? 

Ein gutes Bild erzählt für mich eine Geschichte. Ich fühle beinahe den kalten Schnee oder das Eis, ich spüre die Anstrengung bei einer Bergbesteigung, ich möchte dann wieder in dieser Situation sein - und damit schließt sich der Kreis zu den Emotionen wieder.

Ein kleiner Exkurs:

Bei Instagram schreibe ich ja manchmal kurze Erläuterungen oder Geschichten zu den Bildern. Ich möchte den Betrachter damit nicht nur an dem Bild, sondern an dem Erlebnis teilhaben lassen. Im besten Fall hole ich den Betrachter an der Stelle ab, an dem ihm ein eigenes, ähnliches Erlebnis dazu einfällt (was man oft nur hoffen, aber selten wissen kann).

Gute Erfahrungen habe ich gemacht (damit meine ich: Gute Rückmeldungen habe ich erhalten) mit Bildern, bei denen ich die Story dahinter authentisch rübergebracht habe. Bild und Text müssen also stimmig sein. Dazu habe ich noch ein Beispiel: Eines meiner letzten Bilder zeigt Spuren von den Hunden und mir in einer Winterlandschaft. Es war auf dem Rückweg von einem Sonnenaufgangsfoto. Nur die Spuren deuten darauf hin, dass jemand ganz frisch durch diese Winterlandschaft gestapft ist. Kein anderer Mensch weit und breit. Das Motiv hat viel Raum für Interpretationen gelassen. Mit meiner Bildunterschrift habe ich aber eine gewisse Richtung vorgegeben: "Am Ende einer Wanderung". 

 


Fazit: Wie gehe ich vor?

Nochmal in Kurzform: Mein Ziel ist es, Emotionen zu transportieren. Ich mache mir Gedanken darüber, bei welchem Licht ich fotografieren möchte. Mit der Zeit habe ich gelernt, besondere Lichtverhältnisse zu registrieren. Ich probiere aber auch Fotos bei (fast) jeder Wetterlage aus. Ich möchte, dass meine Bilder eine Geschichte erzählen. Manche Menschen können sie sogar herauslesen. Manchmal nehme ich mir auch vor, mich bewusst nur auf einen dieser Punkte zu konzentrieren. 

 

Letztlich aber: Das Bild muss dir gefallen, denn du hast es fotografiert oder hast es geplant. Mach dir also nicht zu viele Gedanken über dein Bild. Schon eine Idee fürs nächste Motiv? Wenn du die Tipps nachvollziehen kannst, versuche sie doch mal umzusetzen. Vielleicht kannst du mit all dem auch nicht viel anfangen - egal! Hauptsache, du gehst raus! Viel Spaß und bis nächste Woche zu Teil 2 zu diesem Thema, da wird es dann um die konkrete Bildgestaltung gehen. Ich würde mich freuen, wenn du wieder dabei wärst. Bis bald.

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